Leserbrief zur Fair Food Initiative

«Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral». Dieses geflügelte Wort kommt mir in den Sinn, wenn ich an Gespräche und Diskussionen zur Fair-Food-Initiative denke. Da geht es manchmal so richtig zur Sache. Essen ist mit Gefühl, also mit Emotionen verbunden und Gespräche darüber auch. Auch die Gegner und Gegnerinnen der Initiative wollen nett zu den Tieren sein, gesundes Essen geniessen, das wenig Gift für die Produktion und wenig Treibstoff für den Transport braucht. Gerechte Löhne, sind auch ganz nett. So weit, so einig.

Doch dann brechen die Befürchtungen durch. Zunächst wird der sogenannte Einkaufstourismus als Totschlagargument hervorgeholt. Vergessen wird dabei, dass Einkaufen im Dreiländereck auch durch die Vielfalt an biologischen Lebensmitteln, die nebenan teilweise viel selbstverständlicher als in der Schweiz angeboten werden, ein Stück Vielfalt und Lebensqualität bedeutet. Schweizer zahlen für Bio im europäischen Vergleich weitaus am meisten. Die Vorreiter in Sachen gesunder und biologischer Ernährung sind jedoch Deutschland, Schweiz und Dänemark. Gerade weil Bio in diesen Ländern in Supermärkten breit angeboten wird, sind die Presie dafür gesunken.

Fair-Food schreibt nicht vor, was wir essen sollen. Es muss nicht Bio sein. Jedoch soll die lokale, konsumentennahe Produktion begünstigt werden.

Die Schweiz führt knapp die Hälfte an Lebensmittel ein. Deshalb fordert die Initiative: Importierte Lebensmittel sollen soziale und ökologische Mindestanforderungen erfüllen und die Herkunft und die Produktionsbedingungen sollen verständlich deklariert werden. Denn der Einfluss der Chemikalien und anderer technischer Veränderungen, denen wir im Alltag ausgesetzt sind, verunsichert immer mehr Menschen. Die genauen Auswirkungen vieler zugeführter Substanzen können wir erst in ferner Zukunft abschätzen

Die Umsetzung der Verfassungsänderung erfolgt auch bei Fair-Food auf dem Verordnungsweg. Es ist klar, dass dabei auf internationale Abkommen Rücksicht genommen werden muss.

Ein weiteres Ziel der Initiative ist, die Verschwendung von Lebensmittel zu reduzieren. Dies wird z.B,. dadurch erreicht, dass die Verfügbarkeit von frischen Produkten deutlich verbessert wird, z.B. durch die Unterstützung lokaler Direktverkäufe wie z.B. durch Quartiersmärkte. Dies wirkt sich zudem kostengünstig aus.

Fair-Food führt nicht zu noch höheren Preisen! Stattdessen will Fair-Food, dass wir unsere Lebensmittel geniessen können. Denn denkt daran: «Der Mensch ist, was er isst!» und sozial und tiergerecht produzierte Lebensmittel, die auch ökologische Anforderungen genügen, sind einfach besser!

Thomas Reinhardt, Berater für Organisationsentwicklung, Oberwil

Vorstandsmitglied Grüne Leimental
6.9.2018